Obstbau
Obst ist ein wichtiger Bestandteil der gesunden Ernährung. Fachleute empfehlen pro Tag fünf Portionen Obst und Gemüse (600 bis 700 Gramm) zu sich zu nehmen. Herr und Frau Schweizer belassen es im Durchschnitt bei drei Portionen. Dabei bietet die Schweiz eine reiche Palette an Früchten, Gemüse und Beeren. Alleine bei den Äpfeln kann der Konsument zwischen roten, gelben und grünen Sorten auswählen, die entweder süsslich oder säuerlich schmecken. Und auch bei den Birnen kann zwischen 20 verschiedenen Sorten gewählt werden.
Wer Steinobst bevorzugt, kann zwischen Juli und Oktober Kirschen, Zwetschgen, Aprikosen und viele andere Obstsorten geniessen.
Die Schweiz ist eines der obstreichsten Länder der Welt. Doch während die Früchte in früheren Jahren an arbeitsintensiven Hochstammbäumen gewachsen sind, werden heut die Tafelfrüchte fast ausschliesslich in Obstkulturen, zumeist Niederstammbäume, angebaut. Zu 90 Prozent orientieren sich die Schweizer Obstproduzenten an den Richtlinien der integrierten Produktion. Die drei grössten Anbaugebiete Thurgau, Wallis und Waadt produzieren zusammen mehr als zwei Drittel der gesamten Tafelfrüchte.
Allgemeines zum Obstbau
Der Anbau von Obst ist schon uralt. So wurden in ägyptischen Pyramiden Samen des Granatapfels und der Dattelpalme gefunden. Es wird angenommen, dass in Ägypten bereits 1'500 Jahre vor Christus Obstbau betrieben wurde. 500 Jahre später sollen griechische Einwanderer in Kleinasien und Unteritalien mit dem Obst- und Weinbau begonnen haben. Die im Jahr 600 v. Chr. durch den König Nebukadnezar II erbauten „hängenden Gärten von Babylonien“, welche zahlreiche Obstbäume enthalten, sind heute eines der sieben antiken Weltwunder. Wesentlich zur Verbreitung des Obstbaus beigetragen haben die Römer.
Obstbäume sind besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Trotzdem gehen die Obstbauern möglichst sparsam mit Pflanzenschutzmitteln und Dünger um. Die meisten produzieren nach den Richtlinien der Integrierten Produktion (IP). Obstkulturen sind im Vergleich zu Getreide sehr arbeitsintensiv. So müssen die Bäume zurückgeschnitten und die Äpfel ab- oder aufgelesen werden. Bei Obstkulturen mit Niederstammbäumen müssen zudem im Frühling überzählige Fruchtanlagen herausgebrochen, Hagelnetze gespannt und schlechte Bäume ersetzt werden.
Bedeutung des Obstbaus
Die Bauern bieten eine grosse Auswahl an Früchten an: Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen, Trauben, Aprikosen und sogar die exotische Kiwi-Frucht. Allerdings hat der Obstbau in der Schweiz wirtschaftlich nur eine geringe Bedeutung: ca. 4‘3000 Betriebe bewirtschaften Obstkulturen auf einer Fläche von knapp 7’500 Hektaren.
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Obstbau stark verändert: Stammte früher das Obst von Hochstammbäumen, dominieren heute die Niederstammkulturen, die leichter zu bewirtschaften sind. Die Hochstamm-Obstbäume prägen jedoch die Landschaft und bieten vielen Vogelarten Schutz. Der Bund bietet daher jenen Landwirten finanzielle Unterstützung, die ihre Hochstamm-Kulturen weiter pflegen.
Jede Person in der Schweiz isst im Jahr durchschnittlich 50 Kilogramm frisches Obst und Beeren, dazu 25 Kilogramm Zitrusfrüchte und Bananen. Bei den in der Schweiz angebauten Obstsorten (Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche) beträgt der Selbstversorgungsgrad mehr als drei Viertel. Am meisten angebaut und gegessen werden Äpfel, gefolgt von Birnen und Aprikosen. Die Schweizer essen nicht einmal die Hälfte der Obsternte. Etwa 40 Prozent wird vermostet, der Rest geht in die Brennerei.
Der Bund schützt die Schweizer Obstproduktion an der Grenze: Solange eine Obstsorte den Bedarf in der Schweiz deckt, werden die Zollabgaben dafür so erhöht, dass der Import nicht mehr rentiert. Südfrüchte können dagegen immer frei importiert werden.


